Es war ein ganz normaler Dienstag im Februar 2024. Ich saß mit unserem Team in Barmbek an einem Projekt für einen Kunden aus dem Handwerk – klassisches SEO, lokale Sichtbarkeit, Google Business Profile. Der Kunde war zufrieden, die Rankings für „Dachdecker Hamburg“ hatten sich über die letzten Monate gut entwickelt. Dann tauchte in unserem Feed die Meldung auf: Gartner sagt voraus, dass das Suchvolumen bei Suchmaschinen bis 2026 um 25 Prozent sinken wird. Auslöser: KI-Chatbots und virtuelle Assistenten. Wir haben die Kaffeetassen abgestellt und die Original-Pressemitteilung gelesen. Keine fünf Minuten später kam die erste Frage aus dem Team: Heißt das, dass alles, was wir gerade für den Dachdecker machen, in zwei Jahren wertlos ist?
Die kurze Antwort war: Nein. Die längere Antwort brauchte ein paar Tage. Wir haben die Gartner-Quelle mit anderen Studien abgeglichen, uns angeschaut, was Google zu AI Overviews sagt, und dann unsere eigenen Kundenprojekte nochmal durch den Filter „Was passiert, wenn ein Viertel der Suchen woanders landet?“ gelegt. Seitdem ist die Gartner-Prognose in fast jedem Strategiegespräch mit Kund:innen irgendwann auf dem Tisch. Mal fragt jemand, ob „SEO dann überhaupt noch lohnt“. Mal will jemand wissen, ob man „jetzt alles auf ChatGPT umstellen“ müsse. Dieser Lexikon-Artikel fasst zusammen, was Gartner tatsächlich gesagt hat, welche Quellen und Studien dahinterstehen – und was wir bei Daalsen daraus für die Praxis ableiten. Mit unserer eigenen Einordnung, denn wir arbeiten täglich an der Schnittstelle zwischen klassischer Suche und dem, was heute GEO, also Generative Engine Optimization, genannt wird.
Was Gartner genau gesagt hat: Die Prognose im Wortlaut
Gartner ist eine der großen Analysten- und Research-Firmen der Welt. Wenn Gartner eine Prognose veröffentlicht, nehmen nicht nur Tech-Unternehmen, sondern auch Marketing- und Vertriebsverantwortliche das ernst. Am 19. Februar 2024 veröffentlichte Gartner eine Pressemitteilung mit dem Titel „Gartner Predicts Search Engine Volume Will Drop 25% by 2026, Due to AI Chatbots and Other Virtual Agents“.
Kernaussage: Das Volumen der traditionellen Suchanfragen bei Suchmaschinen (also z.B. bei Google, Bing) werde bis 2026 um 25 % zurückgehen. Der Grund: Nutzer würden zunehmend KI-Chatbots und andere virtuelle Assistenten nutzen, um Antworten zu bekommen, die sie früher über eine Suchmaschine gesucht hätten. Gartner spricht von „substitute answer engines“ – Ersatz-Antwortmaschinen.
Die Prognosse wurde im Rahmen der Gartner Tech Growth & Innovation Conference (20.–21. März 2024, Grapevine, Texas) eingeordnet. Wichtig: Es geht nicht um „Google verschwindet“, sondern um eine Verlagerung von Suchanfragen. Ein Teil des Verhaltens, das wir heute als „Suche“ kennen, findet künftig in ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews oder anderen KI-Oberflächen statt. Das hat direkte Konsequenzen für Traffic, Leads und damit für alle, die auf organische Sichtbarkeit setzen.
Warum 25 % so viel Aufmerksamkeit bekommen haben
25 Prozent klingen auf den ersten Blick nach einer Zahl unter vielen. In der Praxis bedeutet das: Wenn heute 100 Menschen eine Frage in Google eingeben, würden in Gartners Szenario 2026 nur noch 75 diese Frage über eine klassische Suchmaschine stellen. Die anderen 25 hätten sich an einen Chatbot, einen KI-Assistenten oder eine generative Suchoberfläche gewandt. Für Verlage, E-Commerce, lokale Dienstleister und B2B-Anbieter, die stark von Suchtraffic leben, ist das eine massive Verschiebung.
Hinzu kommt der Zeitrahmen. 2024 bis 2026 sind nur zwei Jahre. Die meisten SEO-Maßnahmen brauchen Monate, bis sie greifen. Wenn man also erst 2025 anfängt, sich mit GEO und der generativen Suche auseinanderzusetzen, ist man schnell im Zeitfenster, in dem Gartner den Effekt schon sichtbar sieht. Deshalb hat die Prognose so viel Resonanz ausgelöst – und warum wir sie in unseren Lexikon-Artikeln zu GEO und E-E-A-T immer wieder referenzieren. Übrigens: In einigen Branchenberichten und Konferenzvorträgen hört man auch Zahlen wie 50 % Rückgang bis 2028. Das ist nicht die offizielle Gartner-Aussage, aber es zeigt, dass die Richtung der Diskussion klar ist – es geht um eine tiefgreifende Verschiebung, nicht um ein Randthema.
Was Gartner zu Content-Qualität und E-E-A-T sagt
In derselben Pressemitteilung geht Gartner auf die Folgen für Marketing und Content ein. Kurz zusammengefasst: Wenn KI die Produktion von Inhalten billiger macht, werden Suchmaschinen-Algorithmen noch stärker auf Qualität, Authentizität und Vertrauen achten. Stichworte, die in der SEO-Welt unter dem Begriff E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness) laufen. Gartner nennt explizit:
- Content-Qualität und Authentizität
- Expertise, Erfahrung, Autorität und Vertrauen (E-E-A-T)
- Wasserzeichen und Authentifizierung hochwertiger Inhalte, vor allem wenn Regulierung die Kennzeichnung von KI-generierten Marketing-Assets verlangt
Das ist aus unserer Sicht die wichtigste strategische Botschaft: Nicht „weniger SEO“, sondern bessere, erkennbar vertrauenswürdige Inhalte – und parallel der Aufbau von Sichtbarkeit dort, wo Nutzer künftig Antworten suchen, also auch in KI-Systemen. Wer das ignoriert und weiter nur auf Masse oder reine Keyword-Optimierung setzt, riskiert doppelt: weniger klassisches Suchvolumen und gleichzeitig stärkeren Wettbewerb um Qualitätssignale.
Wie wir die Prognose bei Daalsen einordnen
Wir sind eine SEO-Agentur in Hamburg, keine Forschungsabteilung. Wir können Gartners Modell nicht replizieren, aber wir sehen jeden Tag, was in den Daten unserer Kunden und in der Search Console passiert. Ein paar Beobachtungen, die zur Gartner-Prognose passen – und eine, die wir anders gewichten.
Erstens: Google AI Overviews sind real. Seit Google die KI-Zusammenfassungen oben in den Suchergebnissen ausrollt, sehen wir bei einigen Anfragen, dass Nutzer die klassischen blauen Links seltener anklicken. Das ist genau der Mechanismus, den Gartner beschreibt: Die „Antwort“ kommt direkt in der Oberfläche, der Klick auf die Website wird optional. Für Informationsanfragen ist das schon heute spürbar.
Zweitens: ChatGPT, Perplexity und Co. werden von vielen unserer Kunden und deren Zielgruppen genutzt. Gerade im B2B und bei technischen Themen hören wir in Gesprächen immer wieder: „Das habe ich vorher in ChatGPT gefragt.“ Das heißt nicht, dass niemand mehr googelt – aber ein Teil der Recherche läuft woanders. Wer nur auf Google optimiert, verpasst diesen Teil.
Drittens: Die Betonung von E-E-A-T und Qualität passt zu dem, was wir in Projekten sehen. Seiten mit klarem Autor, nachvollziehbarer Expertise und guter Quellenarbeit halten sich besser; dünne oder rein suchmaschinenorientierte Inhalte geraten unter Druck. Das deckt sich mit Googles Helpful-Content-System und mit dem, was Gartner für die nächsten Jahre erwartet.
Was wir etwas nüchterner sehen: 25 % sind eine Prognose, keine Messung. Ob es am Ende 20 % oder 30 % werden, ob der Zeitpunkt 2026 oder 2027 ist, weiß heute niemand genau. In einigen Branchen (z.B. lokale Suche, „SEO Agentur Hamburg“) bleibt die klassische Suche vorerst dominant; in anderen (technische Dokumentation, Vergleichsthemen) verschiebt sich das Verhalten schneller. Die Richtung aber – weniger reine Suchanfragen bei Google, mehr Antworten aus KI-Systemen – teilen wir. Deshalb nehmen wir die Gartner-Prognose ernst und planen Strategien, die sowohl Google Ranking als auch Sichtbarkeit in generativen Antworten im Blick haben.
Was andere Quellen sagen: Einordnung und Grenzen
Gartner ist nicht die einzige Stimme. Andere Analysten und Studien haben ähnliche oder noch weitergehende Szenarien beschrieben – z.B. dass der Anteil der Suche, der über KI läuft, bis 2028 noch einmal deutlich steigen könnte, oder dass die Klickrate auf organische Ergebnisse weiter sinkt (Stichwort Zero-Click-Searches). SparkToro und vergleichbare Erhebungen zeigen seit Jahren, dass ein Teil der „Entdeckung“ von Inhalten gar nicht mehr über die klassische Suchzeile läuft, sondern über Social, Empfehlungen oder eben Chat-Interfaces. Die Gartner-Zahl gibt diesem Trend eine konkrete Größe und einen Zeitrahmen.
Wir verlinken in den Quellen am Ende dieses Artikels auf die offizielle Gartner-Meldung und auf weiterführende Lektüre. Wichtig: Die 25 % bis 2026 sind die von Gartner öffentlich kommunizierte Zahl; andere Prognosen können abweichen. Manche gehen von einem langsameren Wandel aus, andere von einem schnelleren – je nach Region, Branche und Definition von „Suche“. Für Ihre Planung reicht es, die Kernaussage zu verstehen: Suchverhalten verschiebt sich, und wer nur auf klassisches Suchvolumen setzt, wird einen Teil der Nutzer nicht mehr erreichen. Genau dafür machen wir ja GEO und E-E-A-T nicht „statt“, sondern „zusätzlich“ zu klassischem SEO.
Konkrete Konsequenzen für Ihr Unternehmen
Wenn Sie die Gartner-Prognose ernst nehmen, ergeben sich drei Handlungsfelder. Keines davon bedeutet „SEO aufgeben“.
1. Klassisches SEO weiter professionell betreiben
Drei Viertel des Suchvolumens (in Gartners Szenario) laufen 2026 noch über Suchmaschinen. Das ist weiterhin der größte Hebel für organischen Traffic. Technik, Content, E-E-A-T, interne Verlinkung, lokale Signale – alles, was Sie heute tun, bleibt relevant. Wer hier nachlässt, verliert Boden, bevor die anderen 25 % überhaupt abgewandert sind.
2. GEO und generative Sichtbarkeit mitdenken
Generative Engine Optimization zielt darauf ab, dass Ihre Inhalte in KI-Antworten (Google AI Overviews, ChatGPT, Perplexity) als Quelle genannt und genutzt werden. Dafür brauchen Sie: klare, faktenbasierte Texte, gute Struktur (Überschriften, FAQs), Schema.org-Markup, Autorität und Transparenz. Viele dieser Punkte verbessern gleichzeitig Ihr klassisches SEO. Der Aufwand ist also kein Doppelspiel, sondern eine Erweiterung. Wir haben das im Lexikon unter GEO und LLMs.txt ausführlich beschrieben.
3. Kanäle und Ziele diversifizieren
Wenn ein Teil des „Such“-Verhaltens in andere Oberflächen abwandert, ist es sinnvoll, nicht nur auf einen Kanal zu setzen. Newsletter, eigene Community, PR, Fachmedien – alles, was Ihre Expertise und Ihre Marke sichtbar macht, wird wertvoller. Gartner selbst weist darauf hin, dass Marketing-Teams ihre Kanalstrategie überdenken müssen. Für uns heißt das: SEO und GEO sind Kern, aber sie funktionieren am besten im Zusammenspiel mit anderen Touchpoints.
Ein Beispiel aus unserer Beratung: Ein Steuerberater in Hamburg hatte bisher fast nur auf Google gesetzt. Als wir die Gartner-Prognose und die Entwicklung von AI Overviews durchgesprochen haben, war eine seiner ersten Fragen: Wo stehen wir, wenn jemand seine Steuerfrage in ChatGPT stellt und unsere Kanzlei gar nicht als Option sieht? Darauf gibt es keine einfache Antwort – aber wir haben gemeinsam überlegt, wie seine Inhalte (z.B. FAQ-Seiten, Lexikon-Artikel zu Steuerthemen) so aufgebaut sein können, dass sie sowohl bei Google ranken als auch für KI-Systeme zitierfähig und vertrauenswürdig wirken. Plus: Er hat angefangen, seine Expertise in einem kleinen Newsletter und in Gastbeiträgen für Fachportale zu teilen. So bleibt er sichtbar, auch wenn sich das „Wo“ der Suche verschiebt.
Die Rolle von Quellen und Transparenz
Eine Sache, die uns bei der Gartner-Diskussion immer wichtig ist: Woher kommt die Zahl? Wir sind keine Akademiker, aber wir wollen keine Behauptungen in den Raum stellen, die wir nicht nachvollziehbar machen können. Gerade bei einer Prognose, die so oft zitiert wird, lohnt es sich, die Originalquelle zu kennen und zu prüfen, ob man sie korrekt wiedergibt.
Gartner veröffentlicht Pressemitteilungen und teilt in Konferenzen und Reports detailliertere Modelle – oft gegen Bezahlung. Die 25 %-Prognose ist öffentlich zugänglich und mehrfach von Fachmedien wie Search Engine Land aufgegriffen worden. Wir haben sie in diesem Artikel verlinkt. Wenn Sie die Aussage in eigenen Präsentationen oder Strategiepapieren nutzen, lohnt es sich, die Originalquelle zu nennen. Das stärkt Ihre Glaubwürdigkeit und erlaubt es anderen, die Annahmen selbst zu prüfen.
Für unser Lexikon gilt: Wir wollen keine Panik verbreiten, sondern einordnen. Die Gartner-Prognose ist ein starkes Signal, dass die Branche ernst nehmen sollte – aber sie ist kein Schicksal. Wer jetzt Qualität und E-E-A-T ausbaut und GEO mitdenkt, ist auf beiden Schienen unterwegs: klassische Suche und generative Antworten.
Zusammenfassung: Das Wichtigste in Kürze
- Gartner (Februar 2024): Suchvolumen bei Suchmaschinen soll bis 2026 um 25 % sinken; Treiber sind KI-Chatbots und virtuelle Assistenten.
- Konsequenz: Nicht „SEO stirbt“, sondern ein Teil der Nutzeranfragen verlagert sich. Wer nur auf Google optimiert, verpasst diesen Teil.
- Content: Gartner betont stärkere Gewichtung von Qualität, E-E-A-T und Authentizität – passend zu dem, was wir in der Praxis sehen.
- Handeln: SEO professionell weiterführen, GEO und Sichtbarkeit in KI-Antworten ergänzen, Kanäle diversifizieren.
Die Gartner-Prognose ist für uns kein Grund, in Panik zu verfallen. Sie ist ein Grund, den eigenen Content und die eigene Sichtbarkeit ernst zu nehmen – und zwar so, dass sie sowohl in der klassischen Suche als auch in der generativen Suche trägt. Wer das heute angeht, ist in zwei Jahren nicht der, der hinterherrennt, sondern der, der schon da ist, wo die Nutzer sind.
Wenn Sie möchten, können wir in einem unverbindlichen Gespräch durchgehen, wie Ihre aktuelle Strategie zur Gartner-Prognose steht und wo Sie mit GEO und E-E-A-T ansetzen können. Wir beraten aus Hamburg für Unternehmen in Norddeutschland und darüber hinaus – hier können Sie uns erreichen.



